Studie · 01.12.2025
Studie zum ETS 2: Optionen, Auswirkungen und verfahrenstechnische Überlegungen
Zusammenfassung
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass gezielte Reformen des ETS 2, insbesondere bei der Marktstabilitätsreserve, den Auktionserlösen, dem Klimasozialfonds und der Markttransparenz, die soziale Ausgewogenheit verbessern können, ohne die Effektivität des Systems zu schwächen. Weitere Verzögerungen oder Abschwächungen würden dagegen die Erreichung der EU-Klimaziele und die Investitionssicherheit erheblich beeinträchtigen.
Das europäische Emissionshandelssystem für Gebäude und Verkehr (ETS 2) ist ein zentrales Instrument, um die Klimaziele der EU zu erreichen. Ab 2027 bzw. 2028 soll es CO₂-Preissignale entlang der gesamten Lieferkette senden, indem Brennstoffanbieter Emissionszertifikate erwerben müssen. Ziel ist es, Anreize für mehr Energieeffizienz sowie den Umstieg auf klimafreundliche Alternativen in Haushalten und Unternehmen zu schaffen. Gleichzeitig ist das ETS 2 politisch und gesellschaftlich umstritten: Insbesondere Sorgen hinsichtlich steigender Kosten, volatiler Zertifikatspreise und sozialer Auswirkungen haben eine breite Debatte über mögliche Anpassungen des Systems ausgelöst.
Vor diesem Hintergrund hat die KlimaUnion gGmbH bei adelphi consult eine Studie zu den vielfältigen Auswirkungen unterschiedlicher Reformoptionen in Auftrag gegeben. Analysiert werden unter anderem eine Reform der Marktstabilitätsreserve (MSR), das Vorziehen von Auktionserlösen („Frontloading"), die Stärkung des Europäischen Klimasozialfonds (SCF), frühere Auktionen sowie eine verbesserte Markttransparenz. Die Studie bewertet diese Maßnahmen im Hinblick auf ihre ökologische Wirksamkeit, ökonomische Effizienz und soziale Ausgewogenheit und ordnet sie zudem hinsichtlich ihrer rechtlichen und prozeduralen Umsetzbarkeit auf EU-Ebene ein.
Die Ergebnisse zeigen, dass viele der vorgeschlagenen Anpassungen schnell über bestehende Regelwerke wie die MSR-Entscheidung oder die Auktionsverordnung umgesetzt werden könnten, während tiefgreifendere Änderungen an der ETS-Richtlinie deutlich komplexer und zeitaufwendiger wären. Zugleich wird deutlich, dass die einzelnen Reformvorschläge unterschiedliche Wirkungen entfalten: Während einige Maßnahmen Investitionen in Emissionsminderungen zeitlich verschieben könnten, haben andere das Potenzial, diese gezielt vorzuziehen. Entscheidend ist daher ein ausgewogenes Zusammenspiel der Instrumente.
Insgesamt kommt die Studie zu einem klaren Ergebnis: Ein zielgerichtetes, kombiniertes Reformpaket kann die Einführungsphase des ETS 2 sozial ausgewogener gestalten und zugleich seine Wirksamkeit als zentrales marktwirtschaftliches Instrument der europäischen Klimapolitik sichern. Eine Abschwächung oder weitere Verzögerung des Systems hingegen würde nicht nur die Erreichung der EU-Klimaziele gefährden, sondern auch dringend benötigte Investitions- und Planungssicherheit für Haushalte, Unternehmen und öffentliche Akteure untergraben.
